Sprachen
Kleines Land – viele Sprachen. Auf kaum einem Fleckchen in Deutschland treffen so viele verschiedenen Dialekte aufeinander, wie an der schleswig-holsteinischen Nordseeküste. Das liegt an den vielen unterschiedlichen „Besuchern“, die seit Jahrtausenden ins Land ein- oder durchzogen. Wikinger, Friesen, Dänen, Sachsen, Niederländer und noch viele mehr prägten nicht nur Landschaftsbild und Historie, sondern auch die Sprachen. Zuerst brachten die Friesen, die aus der Küstenregion zwischen Weser und Rhein ab dem 7. Jahrhundert nach Nordfriesland einwanderten, die friesische Sprache mit an die hiesige Nordseeküste. Als allgemein gebräuchliche Sprache in der Familie und im Dorf blieb Nordfriesisch lange auf den mündlichen Gebrauch beschränkt. Ab 1800 wurde es aber auch häufig als Schriftsprache benutzt. 1909 wurde Friesisch auf Sylt erstmals in den Schulunterricht aufgenommen.
Zu Zeiten der Wikinger ließen sich Jüten und andere Dänen aus dem Norden und dem Osten auf der Geest Nordfrieslands nieder, sodass Süderjütisch sich fast bis zur Eider verbreitete.
Vom späten Mittelalter bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts wurde schließlich das von Süden her eingebrachte Plattdeutsch – die Sprache der Hansestädte – Amts- und Kirchensprache. Im Anschluss gewann das Hochdeutsche zunehmend an Bedeutung.
So kam es, dass die Menschen in Nordfriesland sich schließlich oft auf mindestens drei Sprachen verständigten: auf Friesisch in ihrer näheren Umgebung, auf Plattdeutsch mit den Nicht-Friesen und auf Hochdeutsch bei amtlichen Geschäften sowie in der Schule, der Kirche und vor Gericht.
Auch das Friesische ist regional noch mal in eigene Formen unterteilt. Neun Mundarten gibt es wie das „Fehring“ auf Föhr, „Öömrang“ auf Amrum, „Sölring“ oder „Halunder“ auf Sylt.
Auf den Inseln erleben Urlauber auch die besondere Pflege der Sprachen. Im ganzen Land gibt es Vereine und Schauspieltruppen „Speeldeels“, die die verschiedenen Mundarten bewahren wollen.
Die Sachsen brachten den meistverbreiteten Dialekt ins Land: Plattdeutsch, auch Niederdeutsch genannt. Seine Blütezeit hatte das Plattdeutsche während der Hansezeit, als es als Europas Wirtschaftssprache in Wort und Schrift fungierte. So sprach man Plattdeutsch nicht nur in Norddeutschland, sondern auch in den Kontoren aller europäischer Hansestädte.
Das schönste und wohl auch das meistgesprochenste Wort im ganzen Land ist das plattdeutsche „Moin, moin“. „Moin, moin“ ist ein liebenswerter Willkommengruß, den man übrigens den ganzen Tag anwenden kann. Norddeutsche brauchen nicht viele Worte. Wenig Worte, klare Aussage und Befindlichkeit stecken in den kurzen Ansagen. Und auch stets eine Portion Humor. „Wat mutt, dat mutt“. Das sagt doch schon alles, oder?
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© Ralf Niemzig