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Traumjob Rettungsschwimmer

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Rettungsschwimmer in Hörnum auf Sylt

„Heute haben wir beste Badebedingungen für einen richtig schönen Strandtag!“ Tina lässt zufrieden das Fernglas sinken, durch das sie Strand und Nordsee genau unter die Lupe genommen hat. Vom frisch blau gestrichenem Rettungsstand aus hat die Rettungsschwimmerin den Hörnumer Oststrand zwischen Hafen und Südspitze bestens im Blick, während ihr Kollege Boy die gelb-roten Begrenzungsflaggen jeweils links und rechts des Rettungsstandes in den Sand steckt, um den bewachten Badebereich kenntlich zu machen. „Heute Morgen habe ich als erstes einen Strandrundgang gemacht, die Badezeit-Flagge gehisst und Strandgut eingesammelt. Besonders nach Stürmen findet man manchmal verrückte Sachen wie Wasserfässer aus Russland oder Schuhe.“ - „Und sogar Kokosnüsse!“ ergänzt Boy, der gerade die Leiter zum Rettungsstand erklommen hat. „Manchmal finden wir auch Seehunde am Strand, dann verständigen wir die Schutzstation.“ Und Tina ergänzt: „Badegäste wollen die Tiere, die meistens nur erschöpft sind und nach einer Pause weiter schwimmen, oft aus der Nähe angucken – man sollte sie aber auf gar keinen Fall anfassen und nicht näher als 200 Meter an sie herankommen.“

Für das eingespielte Team beginnt unter dem strahlend blauen Mai-Himmel die fünfte gemeinsame Saison. Außer ihrem Revier haben die Beiden bereits die Windstärke und –richtung, Wassertemperatur und Strömung gecheckt. „Die Strömung wird durch Wind und Wasser bestimmt und ist hier nicht zu unterschätzen“, erzählt Boy und zeigt auf die friedliche Nordsee. „Unsere Nachbarinsel Amrum ist nur vier Kilometer entfernt, aber es hat noch keiner geschafft, rüber zu schwimmen.“ Der kräftige, blond gelockte Sylter nimmt von Tina das leuchtend gelbe Rettungs-Brett entgegen und legt es in den Sand. „Schlimme Unfälle habe ich hier zum Glück noch nicht erlebt“, erzählt die 35jährige, die von Wasser und Wellen so sehr angezogen wurde, dass sie nun schon in der siebten Saison als hauptamtliche Rettungsschwimmerin arbeitet. „In den meisten Fällen verarzten wir kleine Schnittwunden, die durch Muscheln oder scharfkantige Steine entstanden sind. Hin und wieder sorgen unbemannte Luftmatratzen, die aufs Meer hinaus getrieben werden, für Aufregung oder Urlauber, die in Strömungen geraten und Panik bekommen.“

Fast 100 Prozent ihrer Arbeitszeit verbringen Tina und Boy damit, Strand und Wasser genauestens im Blick zu haben. Für den Fall der Fälle sind sie bestens ausgerüstet – sowohl technisch, wie ein Blick in den Rettungsstand mit Rettungsseil, Rescue-Board, Trage, Defilibrator und Notapotheke verrät, als auch von ihrer Ausbildung. Als Rettungsschwimmer müssen sie im Besitz des Deutschen Rettungsschwimmabzeichens der DLRG Silber sein, das sportliche Höchstleistungen wie 300 Meter Schwimmen in Kleidung, 50 Meter Transportschwimmen, Heraufholen eines fünf Kilogramm schweren Tauchringes aus fünf Metern Tiefe, perfektes Beherrschen verschiedener Schwimmstile und vieles mehr verlangt. Hinzu kommen umfangreiche Erste-Hilfe- und theoretische Kenntnisse. Alle drei Jahre muss die DLRG-Prüfung erneut abgelegt, die Erste-Hilfe-Kenntnisse müssen alle zwei Jahre unter Beweis gestellt werden.

„Ich habe einen unglaublich schönen Arbeitsplatz und mag die Team-Arbeit mit meinen Kollegen“, schwärmt Tina „aber die Verantwortung ist extrem hoch.“ Die durchtrainierte Blondine mit dem Kurzhaarschnitt und den klaren, grauen Augen ist ein echtes Allround-Talent, gibt auch Gymnastik-Stunden am Strand und Segel-Unterricht, hat einen GPS-Rundgang durch Hörnum mit erarbeitet und hat auch schon als Strandkorbwärterin gejobbt. Außerhalb der Saison, wenn sie nicht als Rettungsschwimmerin auf Sylt angestellt ist, zieht es sie zum Arbeiten an andere Meere, an die Küsten Afrikas oder Spaniens.

Boy hat in seinen 21 Jahren als Rettungsschwimmer schon brenzlige Situationen erlebt. „Als ich vor zwei Jahren morgens zum Dienst kam, stand ein Mann schreiend auf einer Sandbank. Die Brandung hatte ihn überrascht und er kam nicht mehr an Land. Ich habe ihn mit dem Rescue-Brett gerettet“, erzählt der 47jährige Nordfriese. Seinen Lebensweg fasst er norddeutsch-knapp zusammen: „Lern was Vernünftiges, fang an zu surfen, mach deinen Rettungsschein, geh deinen Weg und fahr um die Welt.“ Der Anker auf seinem gebräunten linken Unterarm erzählt von der Wasserverbundenheit des waschechten Sylters mit den meerwasserblauen Augen. „Das war eine Jugendsünde, die ich mit 13 begangen habe“, grinst er, „mein Vater war davon gar nicht begeistert.“ Gerade hat er eine Zusatzausbildung zum Wellenreitlehrer absolviert. Wenn abends die letzten Badegäste den Strand verlassen haben, wird die Nordsee zum Revier von Boy und Tina auf ihren Surf- und Kiteboards. „Heute ist aber nix mit Wellenreiten, nur Hamster-Tubes da draußen“, sagt Boy und deutet auf die kleinen Wellen, die gemächliche an den Strand plätschern.

Auf ihre amerikanischen Kollegen aus der Erfolgsserie „Baywatch“ sind die beiden Lebenskünstler in solchen Momenten ein ganz kleines bisschen neidisch: „Mensch, haben die schöne Wellen, die hätten wir auch gern!“ Tauschen möchten sie ihren Arbeitsplatz in Hörnum, dessen Geschichte Strandpiraten begründeten, aber nicht gegen Malibu oder Venice Beach. Sogar Wale können sie vom Rettungsstand im Sylter Süden beobachten: „Gerade gestern habe ich eine Schweinswal-Familie gesehen“, erzählt Boy, während er zusammen mit Tina die Ausrüstung verstaut und den Rettungsstand für heute verriegelt.

An Hörnums Stränden stehen insgesamt vier Rettungsstände, die täglich von 10.30 Uhr bis 17.00 Uhr durchgängig von zwei Rettungsschwimmern besetzt sind. In den kommenden Tagen und Wochen werden die hauptamtlichen Rettungsschwimmer von DLRG-Schwimmern unterstützt.

„Dieses Jahr sind wir gut besetzt“, so Hörnums Tourismusdirektor Carsten Holz „aber der Bedarf ist immer groß. Bewerben können sich Interessierte direkt beim DLRG.“

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