Ringelgänse auf einer Wiese auf Hallig Hooge, © Martin Stock / LKN.SH© Martin Stock / LKN.SH

Es ist mein erster Besuch auf Hallig Hooge, denn ursprünglich komme ich aus einem Mittelgebirge, das 600 Kilometer von der Nordsee entfernt liegt. Die Liebe zum Norden zog mich vor sechs Jahren nach Hamburg. Dort lernte ich auch meine Freundin aus Tönning kennen, die mich zu diesem wunderbaren Ausflug zur Eröffnung der Ringelganstage eingeladen hatte. Als Naturliebhaberin und Vogelfreundin musste ich dazu nicht lange überredet werden!

Von Schlüttsiel aus fahren wir mit der Fähre an Hallig Langeness vorbei nach Hooge. Die Fährfahrt genieße ich in vollen Zügen, denn ich bin gern mit dem Schiff unterwegs. Nach gut zwei Stunden erreichen wir Hallig Hooge und auch die Sonne bahnt sich langsam den Weg durch die Wolken. Mit bester Laune geht es zu Fuß vom Fähranleger Richtung Hanswarft. Links und rechts vom Weg, auf den noch winternassen Wiesen, schlagen sich Tausende von Ringelgänsen den Bauch voll.

Gäste der Ringelganstage kommen auf der Hallig an, © Adam Schnabler / LKN.SHGalerie öffnen© Adam Schnabler / LKN.SH

 

 

Angekommen an der Hanswarft gibt es ein buntes Programm. Die Halliglüüd eröffnen tanzend die Ringelganstage in ihren alten traditionellen Kleidern.

Ich stelle mir vor, wie so ein Leben auf Hallig Hooge aussieht und mich überkommt ein Gefühl von Glück, heile Welt und Sorglosigkeit.

Die Hallig-Kulisse unter freiem Himmel, die Sonne, die unendliche Weite und die Laute der Ringelgänse im Hintergrund empfinde ich als unglaublich schön.

Ich nehme meine Umgebung ganz bewusst war und bin zufrieden. Die Verleihung der goldenen Ringelgansfeder und die Prämierung des schönsten Ringelgansbildes holen mich aus meinen Gedanken.

Feierliche Eröffnung der Ringelganstage, © Martin Stock / LKN.SHGalerie öffnen© Martin Stock / LKN.SH
Auftritt der Hooger Tanzgruppe, © Martin Stock / LKN.SHGalerie öffnen© Martin Stock / LKN.SH

Nach einem Kännchen Tee in der Teestube und einem Besuch in der Ausstellung der Schutzstation Wattenmeer schließe ich mich einer ornithologischen Führung mit zwei Nationalpark-Rangern an. Darauf hatte ich mich besonders gefreut! Die Ranger erklären uns, dass es nicht immer so war, dass den Ringelgänsen zu Ehren ein Fest veranstaltet wird. Langezeit wurden Ringelgänse gejagt, weil man dachte die „schwarze Pest“ fräße dem Vieh der Halliglüüd das Grün weg. Dank des Nationalpark-Effekts sind die Ringelgänse heute zutraulich und bleiben nahe am Weg sitzen, so dass man sie super beobachten kann. Ich wage einen Blick durch das Spektiv und kann sogar einen Goldregenpfeifer zwischen den vielen hundert Gänsen entdecken. Der Nationalpark-Ranger bestätigt mir meine Vogelbestimmung. Dabei fällt mir auf, dass er am rechten Ohr einen Vogelring trägt. Als ich ihn darauf anspreche, lacht er und sagt, er sei eben Vollblutornithologe und habe auch alle Vögel im seinem heimischen Garten beringt. Ich bekomme direkt Infomaterial zur Vogelberingung in die Hand gedrückt. Und er erzählt mir von einer tollen Möglichkeit: Man kann eine Patenschaft für eine beringte Ringelgans übernehmen. Als Pate wird man einmal im Jahr über den individuellen Zugweg seiner Ringelgans informiert. Sehr spannend!

Vogelbeobachtung durch ein Spektiv, © Martin Stock / LKN.SHGalerie öffnen© Martin Stock / LKN.SH

Unsere Vogelguck-Runde endet am Fähranleger. Für mich verging die Zeit auf Hooge viel zu schnell! Seit langem überlege ich schon, wie ich mich mehr für die Umwelt engagieren könnte. Am liebsten den ganzen Tag an der frischen Luft im wunderbaren Weltnaturerbe Wattenmeer sein und etwas mit Kindern machen. Beruflich bin ich im Gebiet Meereswissenschaften tätig. Zwar nehme ich darüber gelegentlich an Expeditionen teil, doch die überwiegende Zeit bin ich drinnen im Institut. Nach dem Besuch bei den Ringelgänsen auf Hallig Hooge steht für mich fest, dass  ich mich für den Nationalpark Wattenmeer einsetzen will.  

Auf der Rückfahrt unterhalte ich mich mit einigen Leuten darüber und als wir wieder in Schlüttsiel sind, habe ich mich entschlossen: ich will ein Praktikum bei der Schutzstation Wattenmeer absolvieren. Und siehe da: Zwei Monate später finde ich mich auf Sylt wieder und tue dies tatsächlich! Die Zeit und Arbeit dort waren großartig, aber dazu berichte ich ein anderes Mal…

Eine Gruppe auf einer Wanderung durch das UNESCO Weltnaturerbe Wattenmeer bei strahlendem Sonnenschein., © Föhr Tourismus GmbH

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Lise Kretzschmann unterwegs im Nationalpark Wattenmeer, © Lise Kretzschmann Lise Kretzschmann