Die Hallig Oland mitten im Wattenmeer mit Vöglen im Vordergrund, © Carlos Arias Enciso© Carlos Arias Enciso

Ge(h)zeiten - Einmal Hallig und zurück...

17.07.2014 - Daniel Meyer

Daniel Meyer, © Daniel Meyer

Es war schon ziemlich windig und Schauer gab es auch manchmal als ich Dr. Walther Petersen-Andresen letztens anrief. Er ist Biologe, Nationalpark-Wattführer und ich kenne ihn aus dem Nationalparkpartner-Vergaberat, wo er die Wattführer vertritt. Er sagte zu mir, dass es sicher etwas kühl und nass werden würde bei der Wattwanderung von Dagebüll zur Hallig Oland. Also sollte ich unbedingt an die Regenjacke denken und einen dicken Pulli. Die Mission „Ge(h)zeiten – Einmal Hallig und zurück…“ konnte beginnen!

Strandkörbe am Grünstrand von Dagebüll, © Daniel MeyerGalerie öffnen© Daniel Meyer

Bei Windstärke 5-6 und bedecktem Himmel kam ich also in Dagebüll an, stellte das Auto auf dem Strandparkplatz ab und legte ein selbstgemachtes Schild hinter die Windschutzscheibe: „Bin ab 12 Uhr zur Wattwanderung“. Walther hatte gesagt, dass man das machen solle, damit die Parkwächter Bescheid wüssten.

Ich machte die Kofferraumklappe auf, um meine Regenjacke und die Regenhose anzuziehen. Die Regenhose war da, die Jacke nicht. Blöd! Ich überlegte, ob ich im dicken Pulli wandern solle, aber was tun, wenn ein Schauer kommt? Naja, vielleicht hat der Wattführer für solch schwierige Fälle wie mich noch eine Regenjacke da.

Daniel im Regenmantel bei Sonnenschein im Dagebüller Watt, © Daniel MeyerGalerie öffnen© Daniel Meyer

Am Treffpunkt vor dem Strandhotel in Dagebüll hatten sich bereits ca. 30 entschlossene Wattwanderer versammelt und lauschten den Ausführungen von Walther. Er erklärte, was man im Watt beachten solle und erläuterte die Bedeutung des Nationalparks . Er sagte, dass das Wattenmeer nun ein Jubiläum feiern würde: 5 Jahre UNESCO Welterbe! „Herzlichen Glückwunsch“, dachte ich beim Blick in den grauen Himmel.

Nachdem ich ihn nach der Regenjacke fragte, sagte er, dass er noch eine in seiner Badebude hätte, die er mir leihen könnte. Ich war echt froh und dachte, dass das doch ein toller Tag werden würde. Mit zwei Wattwanderinnen unterhielt ich mich darüber, dass man ja überall hinfahren könnte um Welterbestätten zu sehen. Zum Beispiel zum Taj Mahal oder zu den Pyramiden nach Gizeh, zum Kölner Dom oder dem Grand Canyon, aber eben auch hier an die Nordsee! Irgendwie schon toll dachten wir und liefen mit der Gruppe den Deich entlang bis zur Watttreppe.

Über die Watttreppe geht es auf den Meeresgrund, © Daniel MeyerGalerie öffnen© Daniel Meyer
Der Wattführer gräbt im Meersgrund nach Wattwürmern, © Daniel MeyerGalerie öffnen© Daniel Meyer

Walther sagte, dass es am besten sei, wenn man barfuß über den Wattboden laufen würde und so zogen wir uns die Schuhe aus. Man kann auch mit Gummistiefeln gehen oder mit Wattschuhen, aber barfuß ist es einfach am schönsten und das Wasser sei angenehm warm. Und so gingen wir dann die Watttreppe hinunter. Mit Spaten in der Hand und mit großem Rucksack ging Walther voraus.

Der Spaten ist dazu da, um zwischendurch mal ein Loch zu graben, damit er den Gästen der Wattführung den Boden und die darin lebenden Wattwürmer und andere Tiere näher erläutern kann. Im Rucksack befindet sich Erste-Hilfezeug, für kleinere Schnittverletzungen, die manchmal durch Muschelschalen entstehen können. Glücklicherweise musste er nur den Spaten benutzen!

Über den Meersgrund zur Hallig

Wir zogen also in einer langen Karawane los Richtung Hallig Oland . Der Boden war angenehm hart, also gut zu laufen und das Wasser umspülte die Füße. Es war windig, doch man spürte vielmehr die gesunde Luft, welche mit Aerosolen angereichert ist, die sich positiv bei Atemwegsbeschwerden auswirken. Ganz schön spannend, was man so alles Gutes für sich tut, wenn man sich auf den ca. 6 km langen Weg über den Meeresgrund macht.

Auf dem Weg vergisst man ein wenig die Zeit und die Distanz, weil man sich auf seine Sinne konzentriert und auf die Erläuterungen vom Wattführer. Gut, das der dabei ist, denn die Gezeiten sollte man schon im Blick haben, weil es immer wieder zu Unfällen und Unglücken gekommen ist, wenn die Leute allein ins Watt gegangen sind und sich verletzten oder von der nahenden Flut überrascht wurden.

Angekommen auf der Hallig

Angekommen auf Hallig Oland erklärte Walther, dass man doch bitte rücksichtsvoll mit den Vorgärten der Halligbewohner umgehen solle und die ausgeschilderten Wege benutzen möge. Es leben nämlich aktuell ca. 20 Bewohner auf Oland (plus/minus Touristen), die hauptsächlich für das Landesamt für Küstenschutz arbeiten. Bei den mehrfachen „Land unter“ auf der Hallig, welche nur über einen kleinen Sommerdeich verfügt und über eine Lorenbahn mit dem Festland verbunden ist, werden immer wieder Schäden beklagt. Allerdings ist das „Land unter“ auch wichtig für die Hallig an sich, da sich dort Sedimente ablagern und somit die Hallig erhöhen. Auch die Pflanzenwelt profitiert davon.

Im kleinen Restaurant, der Halligstube „Kiek in“ ist riesiger Andrang und trotzdem bekamen wir relativ schnell ein kühles Bierchen, Hering und Kartoffelsalat oder heißen Kaffee und ein Stückchen frischen Kirschkuchen. Irgendwie urig, diese kleine Kneipe und was ein „tierisch-schöner“ Ausblick auf das Wattenmeer und die umliegenden Halligen Langeneß, Gröde und Hooge. Auch Pellworm konnte man sehen.

Nach einer Pause gingen wir also weiter über die Hallig. In die kleine Kirche, über die Warften und ließen uns alles genau erklären. Das Leben auf der Hallig ist schon anders als auf dem Festland, aber es fehle den Bewohnern an nichts, sagte Walther. Früher war das alles wohl etwas schwieriger…

Der Hund genießt den Halligblick, © Daniel MeyerGalerie öffnen© Daniel Meyer
Ein kühles Bier auf der Hallig nach einer erlebnisreichen Wattwanderung, © Daniel MeyerGalerie öffnen© Daniel Meyer
Der Wattführer erklärt das Leben der Muschel im Watt, © Daniel MeyerGalerie öffnen© Daniel Meyer

Zurück zum Festland

Auf dem Rückweg genossen wir nun den Blick auf das Festland. Ich sehe die kleinen Badebuden und denke, dass es noch ganz schön weit ist und die Flut kommt auch so langsam. Daher hielt Walther die Gruppe immer wieder ein wenig zusammen und schaute, was die etwa 300 Meter zurückliegenden Wanderer machten. Das Wasser steigt nämlich ziemlich schnell an und als er uns das „Wattschneckenballett“ zeigt und wir ein paar Minuten auf einer Stelle verharrten, merke ich, wie schnell die Flut wiederkommt.

Im Rhythmus von 6 Stunden kommt und geht das Wasser und man macht sich so seine Gedanken, über die Vergänglichkeit und das Leben mit den Gezeiten. Man lässt los und vergisst den Alltagsstress, erlebt den Wind und die Natur. Man hat mal Zeit nachzudenken und das auf dem Meeresgrund. Ein echtes Erlebnis und obwohl es zum Ende schon etwas anstrengend wird, hat man ein richtig gutes Gefühl.

Nach etwa 6 Stunden und knapp 14 km Barfußmarsch waren wir also wieder an Land angekommen. Alle sehen ein wenig gezeichnet aus vom Wind, der salzigen Luft und der Strecke. Aber es hat sich gelohnt, denn eine Frau sagt, sie habe nun ganz weiche Haut an den Füßen. Das Wasser und der Schlick sind nämlich wirklich gut für die Haut. In den Kur- und Thalassozentren an der Nordsee wird er übrigens gereinigt und tatsächlich als Gesichtsmaske verwendet. „Schlick macht schick“, dachte ich und lauschte den Ausführungen von Walther zum Tidenhub, der an der Nordsee bei ca. 2-3 Metern liegt. Er erklärte noch, was die Gezeiten mit dem Mond zu tun haben und der Gravitation. Er machte das großartig und so verständlich, dass man auch nach einer langen Wattwanderung noch versteht, wie das Ganze funktioniert.

Nachdem er sich bei uns für die Teilnahme bedankt hat und wir einen unglaublichen Tag erlebt hatten, gingen wir zum Auto. Wir zogen uns die Schuhe an und drehten erstmal die Heizung auf.

Daniel mit dem Wattführer, © Daniel MeyerGalerie öffnen© Daniel Meyer

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