Das Schloss vor Husum bei Nacht, © NTS© NTS

„Hört ihr Leute, lasst euch sagen…“

12.05.2017 - Annika Hansen

Annika Hansen, © www.nordseetourismus.de

Da ich in meiner Freizeit viel mit dem Fahrrad unterwegs bin, habe ich schon einige Ecken meiner alten und neuen Heimat erkundet, aber um einen besseren Überblick zu bekommen, habe ich beschlossen an einer Stadtführung in Husum teilzunehmen.

Zusammen mit zwei Freundinnen schließe ich mich dem Nachtwächter-Rundgang an. Dieser findet immer dienstags im Herbst und Frühling statt. Es ist der letzte Termin vor der Sommer-pause und obwohl Anfang Mai, weht ein ungemütlicher kalter Wind. Das hat uns und 12 andere Teilnehmer aber nicht abgeschreckt und so treffen wir uns um 20 Uhr im Schlossgang neben der Tourist-Information im Historischen Rathaus. Übrigens zeigt die leuchtende Sturmlaterne neben dem Durchgang zum Schlossgang an, wenn der Nachtwächter auf seinem Rundgang ist.

Unser Gästeführer Horst Köchling ist Husumer Nachtwächter der ersten Stunde. Ausgestattet mit Hellebarde, Morgenstern, Laterne und Horn - den originalgetreuen Utensilien der Nacht-wächter - und dem entsprechenden Kostüm, gibt er Einblicke in die damaligen Lebensumstände.

Aufgabe der Nachtwächter war es, für Sicherheit und Ordnung in der nächtlichen Stadt zu sorgen. Sie haben die Uhrzeit zu jeder vollen Stunde ausgerufen und die Sperrstunde angekündigt. Außerdem haben sie bei ihren Rundgängen ein Auge auf die Feuer in den Häusern gehabt, denn sollte jemand vergessen haben, sein Feuer im Haus zu löschen, konnte schnell ein verheerender Brand entstehen. In einer Hafenstadt wie Husum haben die Nachtwächter außerdem die Seefahrer geweckt. Sozial waren die Nachtwächter sehr niedrig angesehen und mussten ebenso wie die Henker vor den Toren der Stadt wohnen.

Aber zurück zum Rundgang. Los geht es also im Schlossgang, der das Historische Rathaus mit dem Schloss vor Husum verbindet. Das Schloss lag seinerzeit außerhalb der Stadt, daher der Name, heute befindet es sich mitten im Zentrum. Auf dem Weg dorthin erfahren wir interessante Anekdoten zu den Bauweisen der Häuser und wie sie früher genutzt worden sind. Unser Nachtwächter macht uns außerdem auf kleinere und größere Kunstwerke im Schlossgang aufmerksam, die mir bisher tatsächlich gar nicht aufgefallen sind.

Wir erreichen das Schloss, welches im 16. Jahrhundert von Herzog Adolf I. von Schleswig-Holstein-Gottorf als zeitweilige Residenz für seine Aufenthalte an der schleswig-holsteinischen Nordseeküste erbaut wurde. Es ist übrigens das einzige Schloss an der schleswig-holsteinischen Westküste! Heute beherbergt das Schloss unter anderem ein Museum und ist definitiv einen Besuch wert. Eine Legende besagt, dass der Dichter Theodor Storm häufig zum Schach spielen auf dem Schloss zu Besuch war. Dort wurde nicht nur gespielt, sondern auch gerne mal tiefer in das Glas geschaut, sodass Storm der Heimweg in sein Haus in der Wasserreihe in der Dunkelheit des Öfteren schwer fiel und ihm die am Schlosseingang stehenden Löwenskulpturen aus Stein im Weg waren. Nachdem er häufig blaue Flecken an den Schultern davon getragen hatte, hat sich die Schlossherrin erbarmt und ihm eine Laterne für den Heimweg geschenkt.

Unser Nachtwächter macht uns außerdem auf das Schlosscafé aufmerksam, welches von hörgeschädigten Auszubildenden des Theodor-Schäfer-Bildungswerks betrieben wird. Im Café wird daher die Bestellung per Kreuzchen aufgegeben. Bisher habe ich es noch nicht geschafft, dort einmal einzukehren. Da ich den Tipp aber schon öfter erhalten habe, steht ein Besuch des Schlosscafés ganz oben auf meiner To-Do-Liste.

Vom Schloss gehen wir weiter in Richtung des Best Western Theodor-Storm-Hotels, welches einst die erste Bank an der Westküste beherbergt hat. Da Husum ein wichtiger Handelsplatz war, wurden hier früh Wechselgeschäfte für den Viehhandel nötig und so entstand die Bank in der Neustadt. Heute sind hier ein Hotel und das Husumer Brauhaus ansässig, in dem nach wie vor selbst gebraut wird. Noch so ein Tipp für die To-Do-Liste…

Wir besuchen den Neustädter Friedhof mit der Grabstätte von Theodor Storms Eltern, das Ostenfelder Bauernhaus (Deutschlands erstes Freilichtmuseum) und nehmen Kurs Richtung Hafen. Unterwegs kommen wir am Weihnachtshaus vorbei, einem liebevoll gestalteten Museum in Privathand, das die Sammlung von Alix Paulsen zum Thema Weihnachten zeigt. Anfang Mai und in der Hoffnung auf baldiges Frühlingswetter steht mir nicht gerade der Sinn nach Weihnachten, aber das ist definitiv ein weiterer Punkt auf der To-Do-Liste!

Mittlerweile ist es ganz schön dunkel geworden und wir erreichen das Theodor-Storm-Haus in der Wasserreihe, sein ehemaliges Wohnhaus, das heute ein Museum ist. Hier berichtet unser Nachtwächter über das Leben und Wirken von Theodor Storm. In vielen seiner Novellen und Gedichte hat er eigene Erfahrungen verarbeitet, so unter anderem in der Novelle „Maria Tricolor“, die Hinweise auf das Verhältnis seiner zweiten Ehefrau zu seinen sieben Kindern aus erster Ehe gibt. Theodor Storm ist in der Stadt allgegenwärtig und man trifft immer wieder auf Spuren seines Wirkens. Wer mehr darüber erfahren möchte, hat dieses Jahr besonderes Glück, denn in Husum wird 2017 anlässlich seines 200. Geburtstages das Storm-Jahr mit vielen Veranstaltungen zum Thema gefeiert.

Wir aber machen uns nun auf den Rückweg, nachdem unser Nachtwächter verkündet hat, dass es bald 10 Uhr vom Glockenturme läuten werde. Durchgefroren, aber randvoll mit interessanten Infos zu meiner neuen Heimatstadt erreichen wir das Historische Rathaus. Unser Nachtwächter hat uns bewiesen, dass Husum alles andere als eine graue Stadt am Meer ist und meine To-Do-Liste ist um einige Punkte erweitert worden! Die nächsten Nachtwächter-Führungen beginnen übrigens nach der Sommerpause wieder am 5. September.

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