Bedeckter Himmel über Sylt, © Sarah Rothmund© Sarah Rothmund

Was man für eine Kartoffelsuppe nicht alles tut.... Wandern auf Sylt im November!

01.12.2014 - Malte Keller

Malte Keller, © Photo Porst

Wenn die Tage an der Nordsee kurz sind, der Wind kräftig und herb-frisch aus Ost weht, dann beginnt meine persönliche Lieblingszeit an der Nordsee. 

Wochenende. Kurz ein Blick auf www.wetteronline.de und www.windfinder.com geworfen, der die Gewissheit bringt, dass es trocken bleibt. Ein frischer Wind aus Ost und Temperaturen um den Gefrierpunkt verlangen gute Vorbereitung für einen Wandertrip an der herbst-winterlichen Nordsee. Eine "Lange Elli" (lange Unterhosen), Handschuhe, Winterjacke, Mütze, Rucksack und Funktionswäsche sind obligatorisch, sonst wird es auch mir zu frisch.

Die Anreise mit dem Zug und dem Schleswig-Holstein-Ticket nach Sylt ist gemütlich und komfortabel. Wir entscheiden uns diesmal in Keitum auszusteigen, die meisten Gäste an diesem Novembertag reisen allerdings weiter nach Westerland.

Kaum sind wir aus dem warmem Zug ausgestiegen, erreicht uns die November-Realität Keitums. Grauer Himmel. Ostwind wie angekündigt. Nahezu verlassen liegt der Ort da, wir wandern durch menschenleere Straßen, an Reetdachhäusern und weihnachtlich geschmückten Schaufenster-Scheiben vorbei, bevor wir am altfriesischen Museum den Wanderweg an der Wattseite betreten, um fortan auf diesem nach Norden zu wandern.

Wandern an der Ostküste von Sylt, © Malte KellerGalerie öffnen© Malte Keller
Mutter und Tochter spazieren am Strand von Sylt, © Malte KellerGalerie öffnen© Malte Keller

Meine siebenjährige Tochter ist von dem gut ausgebauten Spazier- und Wanderweg nicht so begeistert. Sie möchte immer Wegmarkierungen suchen, kennt sie doch die farbigen Symbole von früheren Wanderungen in Südeuropa und hatte immer einen besonderen Spaß darin, die Wegmarkierungen im Gestrüpp ausfindig zu machen. Der Wanderweg an der Ostseite ist allerdings super ausgebaut und wir kommen schnell vorwärts.

Gut eingepackt und immer mit einem Lied auf den Lippen erreichen wir den ersten Rastpunkt am Munkmarscher Hafen. Meine Tochter entert gleich den Spielplatz vom Fährhaus Sylt Hotel und wir suchen die gepflegten öffentlichen Toiletten auf. Diese befinden sich in unmittelbarer Nachbarschaft von der 1. Windsurfschule Europas, die der Windsurfpionier Calle Schmidt hier 1972 auf der Wattseite von Sylt errichtete.

Weiter geht´s Richtung Norden auf dem schönem "Weißen Kliff". Von hier hat man einen guten Blick in Richtung List und nach Dänemark. Nach dem Kliff laufen wir wieder direkt am Strand entlang und passieren die letzten Reste des Wracks der Mariann. In den 60iger Jahren sollte der alte Getreide-Schoner ein Restaurant-Schiff werden, dann riss sich das Schiff aus dem Munkmarscher Hafen los und strandete etwas weiter nördlich. Weil die Genehmigungen zur kommerziellen Nutzung des Schiffes fehlten, wurde der Plan allerdings nie umgesetzt.

Schon bald erblicken wir nach diesen Schiffsresten die ersten Häuser von Kampen in der Ferne. Unser Ziel in dem Kampen ist die altehrwürdige Kupferkanne. Kurz vor dem Ziel kreuzt ein Oldtimer-Reisebus den Weg. Der alte Mercedes-Reisebus der Sylter Verkehrsgesellschaft wird gerne heutzutage für stilvolle Inselrundfahrten von Gesellschaften gebucht. Kurz dem Bus gefolgt und dann noch einmal links in Richtung Watt abgebogen, sind wir am Ziel:

Das wunderschön gelegene Café Kupferkanne ist berühmt für schmackhaften Kuchen und den schönen Garten mit Meerblick. Uns zieht es aber bei den November-Temperaturen ins Innere des Cafés, das einst einmal eine Bunkeranlage war und sich dann von einem Künstleratelier zum wohl bekanntesten Café der Insel verwandelte.

Nach Apfelkuchen mit Sahne, einem Milchreis und einem Gemüsekuchen - so die Wahl der Familie - ziehen wir weiter durch das graue Kampen, vorbei an vielen leerstehenden und eindrucksvollen Reetdachhäusern, über den weihnachtlichen geschmückten Strönwai (der Kampener Restaurant- und Barmeile) zur Sturmhaube. Dort wird gerade eine winterliche Eisbahn auf der Terasse aufgebaut. Der Spielplatz der Sturmschaube fasziniert meine Tochter und die "Reckstange" zum Turnen hat auch bei 0°C noch nicht ihren Reiz verloren.

Oldtimer-Bus auf Sylt, © Malte KellerGalerie öffnen© Malte Keller
Restaurant am Strand von Sylt, © Malte KellerGalerie öffnen© Malte Keller

Über Teilabschnitte des Kampener Kunstpfads, vorbei am alten Quermarkenfeuer von Kampen, erreichen wir das schöne Strandrestaurant La Grande Plage. Respektvoll und gleichermaßen fasziniert, beobachten wir am Restaurant die Sauna-Gäste, die aus der nahegelegenen Strandsauna kommend, den Strand entlang zum Wasser laufen und dort in die eiskalte Nordsee eintauchen. Uiiih! So ein Saunagang wäre nach der Wanderung auch klasse, allerdings erinnert uns ein Blick auf die Uhr daran, dass etwas zeitliche Umsicht geboten ist, wenn wir noch am selben Tag von der Insel fahren wollen!

Kurz darauf betreten wir das Strandrestaurant und erklimmen die Barhocker am Stehtisch. Wir lassen unsere - von der Wanderung müden und langen - Beine baumeln, summen die Melodien aus den Lautsprechern mit und bestellen die lecker-cremige Kartoffelsuppe mit Wursteinlage. Zufrieden blicken wir aufs Meer und erfreuen uns daran, was wir alles an dem Tag erlaufen haben. Gerne wären wir noch ein bisschen geblieben, allerdings wollen wir noch einen Abendzug zum Festland an dem Tag nehmen. Zurück in der Ortsmitte von Kampen nehmen wir den regelmäßig fahrenden Linienbus zum Bahnhof von Westerland.

Erkenntnis des Tages: Alleine die Kartoffelsuppe mit Meerblick war die Erlebniswanderung durchs Sylter "November grau" wert.

Wellness im Budersand Hotel auf Sylt, © Jana Ebert

Unterkünfte Sylt


© Jana Ebert

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