Die schönsten Natur-Erlebnistipps

Presse 03/2019: Natur erleben an der Nordseeküste 2019

Westerhever, im Sommer, gegen Mitternacht. Und es geschieht etwas Spukhaftes. Der hohe Himmel liegt in tiefem Indigo, weltraumschwarz indes ist er nicht. Der Jupiter und ein paar hellere Sterne leuchten schwach, andere kann man kaum sehen – es ist nicht ganz dunkel. Über dem Meer verbleibt ein seltsames, fahles Licht; zartes Orange, helles Tabak. Manchmal schimmern zarte Wolkenschleier in einem klaren, kristallenem Weiß oder Hellblau. „Diese leuchtenden Nachtwolken reflektieren in großer Höhe das Licht der hinter dem Horizont stehenden Sonne“, erklärt Rainer Schulz von der Schutzstation Wattenmeer. Und dunkel wird es im hohen Norden auch nicht mehr: „Wenn die Sonne untergegangen ist, dann ist sie zwar hinter dem Horizont verschwunden – ganz dunkel ist es aber trotzdem (noch) nicht. Das in den Himmel entsandte Streulicht ist die Dämmerung. Erst wenn die Sonne mehr als 18 Grad unter dem Horizont liegt, ist es absolut dunkel.“ Das aber tut sie hier nicht immer: Im Sommer ist es im hohen Norden Deutschlands nicht nur länger hell, sondern es dämmert auch viel länger als sonst und anderswo und manchmal hört es gar nicht auf – die Abenddämmerung geht gleich in die Morgendämmerung über. Es sind zwar nicht ganz die berühmten „Weißen Nächte“ von St. Petersburg oder Helsinki, schön aber ist es doch. „Und wenn in den Wochen um den 21. Juni die Sonne in ihrem nördlichsten Winkel zur Erde steht, dann scheint in Schleswig-Holstein (theoretisch) bis zu 17 Stunden lang die Sonne“, sagt Rainer Schulz. Und das wird gefeiert. Es ist Mittsommer und eine eigentümliche Stimmung liegt über den Dünen und dem Meer; ein sanfte Helligkeit, ein endloser Abend in Pastell mit dem zarten Blau des sommermüden Meeres und dem schimmernden Weiß noch sonnenwarmem Sandes - schöne Tage, die nie enden in sonderbarem nordischen Licht. Mitternachtsdämmerung. Auf Amrum) zum Beispiel brennt an Mittsommer am Strand bei Nebel ein Feuer. Sonnenwende wird gefeiert mit Trachtentanz, mit Essen und Trinken. So wie auch anderswo an der Küste. Vielleicht eine der schönsten Nächte an der Nordsee; eine, die doch eigentlich gar keine ist.

Sonnenwendfeier auf Amrum, 21.06.2019, 19.00 Uhr Nebel Strand

www.amrum.de

 

Die Flut kommt! Und wie beeindruckend das vermeintlich Alltägliche sein kann, möchte Nationalpark-Wattführer Dark Blome seinen Gästen zum Schluss der Wattwanderung von Amrum nach Föhr zeigen: am Deich vor Dunsum auf Föhr kann man die beeindruckende Geschwindigkeit der Flut gut erkennen. „…achtet mal auf die Steine, an denen wir eben vorbei gegangen sind!“ Die sind schon weg. Am Ausstieg ragen zwei Steinbuhnen ins Watt, flache Sandbänke liegen dort, ein seichter Priel. Und dann, plötzlich und ganz leise, beginnt das Wasser um die Buhnen zu strömen. Die Flut läuft in einer Amplitude auf – und in dieser Stunde kommt das meiste Wasser, zwei Meter zwanzig insgesamt. Es läuft um die Buhnen schnell wie ein Bach. Auf der flachen Sandbank gehen die Sandrippel unter; die Flut schwappt nicht müde heran – sie läuft massiv auf und das mit der Geschwindigkeit eines sehr zügigen Fußgängers. Es ist ein gleichermaßen beeindruckendes wie beklemmendes Gefühl, dem Wasser nicht entkommen zu können. Hier kann man das eindrücklich beobachten. Schaut man einen Augenblick weg und dann wieder hin, ist es schon da. Dort, wo die Gruppe eben noch gewandert ist, ist alles längst versunken. Und hier steigt das Wasser jetzt mit einem Zentimeter pro Minute. Still. Und strömend, das merkt man jetzt. Die Flut kommt unaufhaltsam und zwei Mal am Tag.

Wattwanderungen zwischen den Inseln der Nordsee,

z.B. www.der-inselläufer.de

 

Es ist schon später im Sommer und das Vorland wogt stellenweise wie ein blaues Meer; ein Meer von Blüten. Dann steht die Strandaster in voller Blüte und taucht die Salzwiesen an der Westküste Schleswig-Holsteins in ein changierendes Farbenmeer. Das Land ist hier, hinter dem Deich vor Friedrichskoog zu Ende; das Meer aber hat noch längst nicht angefangen. Es ist nicht einmal in Sicht, stattdessen rund anderthalb Kilometer unscharfer Übergang; eine Wiese, ein amphibischer Lebensraum, mit ebenso sonderbaren wie schönen Pflanzen. Und eine seltsame Welt – denn Salzwiesen stehen, obschon landgebunden, noch in direktem Einfluss der Nordsee. „Immer wieder werden sie überflutet, so hat sich ein einzigartiger Lebensraum gebildet. In der Salzwiese können nur Pflanzen existieren, die Mechanismen entwickelt haben, mit dem Salz zu leben“, erklärt Nationalpark-Ranger Michael Beverungen. Die Salzwiesen an der Küste Schleswig-Holsteins gehören zusammen mit denen von Niedersachsen sowie denen vor der Küste der Niederlande und Dänemarks zu den größten ihrer Art, der gemäßigten Klimazone, weltweit. Man nennt sie auch die „Mangroven des Nordens“. „Im Spätsommer ist das hier an manchen Stellen fast wie ein helles, blaues Blütenmeer, wenn die Strandaster blüht“, sagt der Ranger. Und nicht nur ein blaues Wunder: die Strandaster blüht in verschiedenen Farbvariationen - von zartem Violett bis hin zu Rosé. Und der – bereits sterbende – Queller erscheint in rostrot, der Strandwermut silbrig-grau. Ein phantastisches Meer an Farben wogt unter der Spätsommersonne im Wind. In Wellen, changierend, unglaublich. Übrigens: Jeder Sommermonat bietet sein eigenes Farbspiel.

Führungen in die Salzwiese, z.B.

www.schutzstation-wattenmeer.de/unsere-stationen/friedrichskoog

 

Das vielstimmige „rott-rott-rott“ weht weit über das Halligmeer; tausende, zigtausende Ringelgänse sind im Frühjahr an der Westküste unterwegs. „Dann fliegen rund 50.000 bis 60.000 Ringelgänse auf ihrem Weg nach Norden in Schleswig-Holstein ein und müssen sich sattfressen. Jede Gans verbraucht während ihres Fluges pro hundert Kilometer acht Gramm Fett“, erklärt Michael Klisch von der Schutzstation Wattenmeer auf Hallig Hooge. Für die bis zu 5.000 Kilometer nach Sibirien brauchen sie also rund vierhundert Gramm, das fressen sie sich in den wenigen Wochen auf den Halligen mit rund 18 Kilogramm Gras an. Der weltweite Bestand „unserer“ dunkelbäuchigen Ringelgans gilt als stabil und derzeit nicht gefährdet. „Was sie aber brauchen, sind Salzwiesen und das Wattenmeer ist zentraler Futterplatz für diese Gänse“, sagt Klisch. Beides ist fast nur hier vorhanden und die Gänse können nicht oder kaum ausweichen – deshalb findet auf den Halligen im Frühling dieses große Schauspiel statt. Ihren Gästen geben die Naturschützer und Halligleute deshalb jährlich ein Fest: Vom 27. April bis 12. Mai 2019 sind Ringelganstage– mit vielfältigem Programm, Schwerpunkte sind auf Hooge und Langeneß, rund um den Lebensraum Hallig und Symbolvogel Gans. „Hier kann man große Gänseschwärme ganz nah erleben; die Fluchtdistanz beträgt kaum fünfzig Meter“, erklärt Michael Klisch, „so nah führen wir unsere Besucher natürlich nicht heran, wir wollen die Gänse nicht unnütz stören.“ Mitte Mai ist Schluss mit dem Gastspiel auf den Halligen; fettgefressen heben sie ab – mit sehnsuchtsvollem Ruf nach Nordost.

www.ringelganstage.de

 

Es ist September und der Abend kommt früh. Über dem Gotteskoogsee liegt zarter Dunst und aus den Feldern steigt Nebel auf. Von der kleinen Anhöhe östlich dieses Sees irgendwo im Nirgendwo Nordfrieslands schweift der Blick über die endlose Einsamkeit. Dann ist in der Ferne über dem Horizont ein fliegendes, wie fließend wirkendes, Etwas zu erkennen – hoch und runter, vor und zurück. Und bald ist es wieder verschwunden; eine Sinnestäuschung wohl. Der Himmel ist grau, dort wo die Sonne verschwindet schimmert ein sanftes Rot. Und wieder dieser Wirbel; größer jetzt, länger anhaltend. Ein kurzes Schauspiel ohne scheinbare Regeln. Und dann am Himmel ganz großes Theater – ein Organismus wie eine Wolke, in sich drehend, es fliegt auf und fällt jäh zusammen. Unbändig, doch perfekt. Es sind Stare, die hier am Himmel tanzen, hunderttausende zusammen. Die Vögel treffen sich im Herbst über den Marschen an der Nordseeküste und sammeln sich für ihren Weg nach Süden, hier nahe der Grenze zu Dänemark sind die seltsamen Aufführungen wohl am größten. Den Tag über leben die Vögel verstreut, abends treffen sie sich auf der Suche nach einem Schlafplatz. Der liegt vorzugsweise in den Schilfgürteln von Seen. Dort, wie zum Beispiel am Gotteskoogsee zwischen Niebüll und der Grenze kann man die Tiere öfters beobachten – etwas Glück aber gehört dazu. Denn wo genau sie tanzen werden, bleibt ihr Geheimnis.

Info: Naturkundemuseum Niebüll www.nkm-niebuell.de

Informationen zur Urlaubsregion Nordfriesland:

www.nordfrieslandtourismus.de

Viele weitere Tipps für schöne Naturerlebnisse am Weltnaturerbe Wattenmeer finden sich unter www.nordseetourismus.de

 

 

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Sonnenwendfeier auf Amrum (C) Kai Quedens

Strandaster (C) Rainer Schulz

Salzwiesen (C) Schutzstation Wattenmeer

Ringelgänse (C) Martin Stock - LKN SH