Titelbild Projekt Nordseecard, © www.nordseetourismus.de© www.nordseetourismus.de

NordseeCard-Konzept wird evaluiert

Presse 07/2020: Neues zum Projekt NordseeCard

Bei der jüngsten Gesellschafterversammlung der Nordsee-Tourismus-Service GmbH (NTS) am vergangenen Mittwoch, 24. Juni, stand vor allem ein Thema im Mittelpunkt der Gespräche: Die Ausrichtung der NordseeCard. 

Die NordseeCard soll durch die Bündelung von Leistungen für den Gast die gesamte Nordseeregion Schleswig-Holstein attraktiver machen und auch den ÖPNV mit einbeziehen. Vorbild der NordseeCard sind vergleichbare Modelle, unter anderem im Alpenraum „Oberstaufen PLUS“ oder im Schwarzwald die „Hochschwarzwald Card“.  

Um eine ähnliche Karte künftig an der Nordsee Schleswig-Holstein zu etablieren, wurde in einer Machbarkeitsstudie zunächst die grundsätzliche Realisierungsmöglichkeit durch die auf dem Gebiet der touristischen Leistungskarten führenden Gesellschaft WIIF aus Oberstaufen geprüft und Anfang 2018 vorgestellt. 2019 wurden anschließend mehr als 70 Partner aus allen Freizeit-, Kultur- und Erlebnisbereichen auf den Inseln und dem Festland geworben, die sich bereit erklärten bei der NordseeCard mitzumachen. Die Bereitschaft zur Teilnahme an dem Projekt signalisierten zudem die Kreise für den Busverkehr in Nordfriesland und Dithmarschen sowie auch die Sylter Verkehrsbetriebe. Mit diesem Leistungspaket für Gäste hat die NTS schließlich mit eigenem Personal die Gastgeberakquise für die NordseeCard begonnen. Allerdings stellte sich das Anwerben in der Praxis als komplexer und zeitaufwändiger dar als vorgesehen.  

Die Ergebnisse aus der ersten Phase der Gastgeberakquise nahmen die   Gesellschafter der NTS jetzt planmäßig zum Anlass, um über das Projekt in der   Gesellschafterversammlung der NTS zu diskutieren.  

„Geplant war jetzt eigentlich die Gastgeberakquise für die NordseeCard voranzubringen, aber das macht derzeit wenig Sinn, weil die Gastgeber durch die   Einschränkungen der Corona-Pandemie aus verständlichen Gründen ganz andere   Sorgen haben“ sagt Frank Ketter, Geschäftsführer der Nordsee-Tourismus-Service   GmbH.

Für einen Wechsel der Strategie spricht sich auch Florian Lorenzen aus: Als Landrat des Kreises Nordfriesland plädiert er dafür, zunächst zu prüfen, wie die NordseeCard mit den anderen geplanten Kartensystemen insbesondere auf den Inseln zusammenwirken kann. „Eine gemeinsame Lösung muss das Ziel sein: Eine Karte, die von Brunsbüttel bis List auf Sylt gilt und beispielsweise die Nutzung aller Buslinien der Region ermöglicht – und noch etliches mehr“, erläutert Lorenzen. Erst danach werde es sich wirklich lohnen, die Beherbergungsbetriebe als weitere Partner anzusprechen.  

Der Landrat kann sich vorstellen, die Karte neben der Umlagefinanzierung auch für einen angemessenen Obolus anzubieten: „Wenn sie einen deutlichen Mehrwert bietet, können zusätzlich auch unsere Wohnbevölkerung und der Tagestourismus zu einem breiteren Fundament der NordseeCard beitragen. Wir müssen uns nun die Zeit nehmen, den Bedarf und das Angebot noch einmal genau zu prüfen und abzustimmen, um am Ende zu einem Produkt zu kommen, das möglichst viele Menschen überzeugt.“

Eine besondere Herausforderung für das Projekt stellen die unterschiedlichen Bedürfnisse der Inseln, Halligen und des Festlands dar. Für die Inselgäste sind weniger freie Eintritte in Einrichtungen der Westküste interessant, sondern vielmehr eine attraktive Nutzung von zeitgemäßen Mobilitätsangeboten. Generell ablehnend stehen die Insel-Touristiker einer Karte somit nicht gegenüber, „allerdings nicht so, wie sie bisher ausgerichtet ist“, sagt Moritz Luft, Geschäftsführer der Sylt Marketing Gesellschaft (SMG). „Wir sind uns einig, dass das Thema Mobilität für Gäste und Insulaner in der gesamten Region eine große Relevanz hat und über eine umlagefinanzierte Karte durchaus denkbar wäre“.

Die Gesellschafter der NTS einigten sich in Abstimmung mit dem Marketingbeirat am Mittwoch darauf, weiter gemeinschaftlich an der Realisierung des gesamten Projektes NordseeCard zu arbeiten. Die Evaluierungsergebnisse werden auf einer gemeinsamen Sitzung im September vorgestellt. Sowohl Gastgebern als auch Gästen soll es ermöglicht werden, ihre Bedürfnisse auf dem Festland als auch auf den Inseln zufriedenzustellen. Die beiden Landräte Stefan Mohrdieck aus Dithmarschen und Florian Lorenzen aus Nordfriesland sprachen sich dafür aus, die kommende Zeit zu investieren und zu ermitteln, wie man weitere, zum Teil neue Mobiltätsangebote stärker mit einbinden könne, gegebenenfalls auch durch eine unterschiedliche Abrechnung und Ausgestaltung der Karte auf dem Festland sowie den Inseln. Die schon bestehenden Verträge mit den Freizeitanbietern, die bereits ihre Teilnahme zugesagt haben, würden aber weiterhin berücksichtigt. „So kann bei uns eine Kombilösung entstehen, die sich von der Karte im Hochschwarzwald oder der Oberstaufencard abhebt und so ein neuartiges, dieser heterogenen Region entsprechendes Angebot bietet“, fasst NTS-Geschäftsführer Frank Ketter zusammen.   
 
Weitere Stimmen zur anstehenden Projektevaluierung der NordseeCard:
 
Stefan Mohrdieck, Landrat des Kreises Dithmarschen:
 
„Ich danke ausdrücklich allen Projektpartnern und Gastgebern, die sich bisher bereit erklärt haben bei dem Projekt mitzumachen, für ihre Geduld. Es ist wichtig, mit den touristischen Akteuren und den verschiedenen Verkehrsträgern gerade auch jetzt in den wirtschaftlich schwierigen und ungewissen Zeit der Corona-Pandemie im Dialog zu bleiben, um nachhaltige und umweltfreundliche Verkehrs- und Angebotskonzepte weiter zu verfolgen.“
 
Die Funktionsweise NordseeCard:
Das Prinzip dieser Karten, die deutschlandweit in anderen Urlaubsgebieten   erfolgreich als Service für Gäste eingesetzt werden: Die Karte erhält der Gast vom   Gastgeber und diese ist kostenfrei für den Gast. Der Gast kann dann während seines   Urlaubs viele angebotene Leistungen pro Tag kostenlos nutzen. Zum Beispiel ein   kostenfreier Besuch und die Nutzung von: Ausflugs- und Linienschiffen, Museen und   Kultureinrichtungen, Thermen und Freizeitbädern, Führungen in Städten und Natur,   Naturerlebnissen und Freizeitangeboten, Aktiv- und Sportangeboten sowie Bussen   und Bahnen. Der Gastgeber leitet den Betrag pro Gast pro Übernachtung weiter in   den Umlagetopf. Aus der Umlage würden die Leistungspartner aus Freizeit, Kultur   und Verkehr nach sogenannten Nutzungseinheiten bezahlt – und dies zu einem   deutlich vergünstigten Tarif.

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