• Die Inhaber des Hofladens stehen zusammen mit einem Wagyu Rind auf der Wiese. Im Hintergrund sind der Hof und weitere Rinder zu sehen.
    © Hofladen Eggers

Vom Abhofverkauf zum Hofladen

Ein Interview mit dem Hof der Wagyu Zucht Nordfriesland

Seit Juli 2025 betreibt der Hof der Wagyu Zucht Nordfriesland in Risum-Lindholm einen Hofladen, der rund um die Uhr geöffnet ist. Er ergänzt den Onlineshop und den Direktverkauf an Gastronomie und Hotellerie. Im Gespräch berichtet Lisa Jensen, wie der Hofladen angenommen wird, wer ihn nutzt und welche Erfahrungen der Betrieb gemacht hat.

„Wir sind positiv überrascht. Der Hofladen hat mehr Schwung entwickelt, als wir geplant hatten. Deshalb konnten wir nach etwas über einem Jahr bereits eine Mitarbeiterin einstellen, die uns entlastet.

Früher gab es bei uns nur einen Abhofverkauf an zwei Tagen in der Woche oder nach Terminvereinbarung. Wir haben gemerkt, dass der Absatz dadurch nicht stark genug war, weil viele Kunden nicht bis zu uns rausfahren. Den Hofladen wollten wir zunächst auf dem Hof ausbauen. Weil sich das wirtschaftlich nicht rechnen ließ, haben wir ein Objekt im Dorf gemietet. Dort ist der Laden jetzt.

Am Anfang kam vor allem unsere Stammkundschaft vom Hof. Inzwischen kommen richtig viele Nordfriesen regelmäßig, besonders Richtung Wochenende. Sie holen sich Burger-Patties, Bratwurst, Hackfleisch oder Steaks. Wir haben rund 40 Fleischprodukte im Laden, frisch und tiefgekühlt.“

„Das lässt sich nicht eindeutig eingrenzen. Wir leben im Großen und Ganzen von den Menschen aus der Region. Sie tragen uns durchs Jahr, und darauf wollen wir unseren Fokus auch behalten. Ein reiner Tourismusfokus wäre aus unserer Sicht der falsche Ansatz.

Dazu kommen Sonntagseinkäufer und Feiertagskunden, weil wir 24/7 geöffnet haben. Außerdem sehen wir Urlaubsgäste, besonders bei der An- und Abreise von Sylt. Die halten bei uns an, kaufen Fleisch und nehmen Kühlakkus und Isoliertaschen mit. Das merkt man vor allem in der Saison. Viele Gäste bestellen auch vorab im Onlineshop und holen ihre Ware im Hofladen ab.“

„Die größte Herausforderung ist die Produktflut. Wer viele Produkte im Laden hat, hat auch viel Arbeit damit. Auch die Beratung ist ein Thema. Bei einem hochwertigen Fleisch wie unserem will der eine oder andere Kunde wissen, welches Teilstück zu seinem Geschmack passt. Dafür bieten wir Beratungs- und Hofführungstermine an.

Ein weiteres Thema ist die Angst vor dem Fehlkauf. Bei einem Rib-Eye für rund 60 Euro wollen die Leute sicher sein, dass die Zubereitung gelingt. Das ist für viele eine größere Hürde als der Preis. Dazu kommt, dass die Aufzucht bei uns deutlich länger dauert als in der konventionellen Mast und die Betreuung intensiver ist. Das spiegelt sich im Preis wider.

Außerdem hat das Marketing viel Aufwand gekostet. Wir sind keine ausgebildeten Kaufleute, sondern haben Newsletter, Social Media und Co. selbst gelernt. Für viele Direktvermarkter ist professionelles Marketing kaum bezahlbar. Und im September und Oktober haben wir ein saisonales Loch, in dem der Onlineshop wenig bringt.“

„Durchweg positiv. Die Kunden schätzen die Transparenz und das Engagement hinter dem Produkt. Besonders geholfen hat, dass sie das Fleisch vor dem Kauf sehen und in die Hand nehmen können.“

„Unterschätzen Sie die Produktflut nicht. Mehr Produkte bedeuten deutlich mehr Arbeit. Bei einem zweiten Hofladen würden wir das Sortiment stärker um das eigene Fleisch herum aufbauen, etwa mit Patties, Buns, Gewürzen und Saucen, und nicht alles aufnehmen, was die Region hergibt. 

Der wichtigste Punkt ist die Lage. Die Leute wollen regional einkaufen, aber sie wollen es bequem haben. Zehn Minuten Umweg sind manchmal schon zu viel. Deshalb haben wir versucht, die Direktvermarkter der Region an einem Ort zu bündeln. Dann entscheidet sich, ob so ein Angebot Erfolg hat.“

„Fehlbestände haben wir auch, aber wir sind deutlich besser aufgestellt als der Handel. Alle Produkte haben einen RFID-Tag. Die Kasse erkennt sie, wenn man sie einlegt, ohne dass gescannt werden muss. Fehlbestände entstehen trotzdem manchmal, etwa wenn ein Tag nicht richtig ausgelesen wird. Im Schnitt liegen wir bei rund einem Prozent. Supermärkte kalkulieren häufig mit drei bis vier Prozent.

Der Zugang läuft über ein Terminal mit Kundenkarte oder Bankkarte. Das System speichert die Kartendaten, und wir haben Kameras, die in 4K aufzeichnen. Bei einem nachweisbaren Diebstahl geben wir Video und Kartennummer an die Kriminalpolizei weiter. Die kann über die Bank ermitteln, wer dahintersteckt. Hausverbote können wir über die Sperrung der Kundenkarte durchsetzen. Die Fälle sind bei uns selten.

Wer einen Fehlbestand bemerkt und bei uns anruft, hilft uns sehr. Das sind meistens Gelegenheiten, bei denen ein Produkt nicht richtig ausgezeichnet war. Wir sehen das nicht als Diebstahl.“

Ansicht des Hofladen Eggers Nordfriesland von innen.
© Hofladen Eggers
Ein Wagyu Rind liegt entspannt auf der Weide und guckt in die Kamera. Im Hintergrund gräuliche Wolken.
© Hofladen Eggers

Fazit

Ein Hofladen rund um die Uhr funktioniert, wenn Lage, Sortiment und Beratung zusammenpassen. Die Kasse übernimmt die Arbeit am Regal, aber Kunden brauchen Orientierung, wenn sie ein hochwertiges Produkt kaufen sollen.

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