Neustart an der Nordsee

Bodo Schmidt, Jahrgang 1964, arbeitet seit dem vergangenen Jahr beim TMS, der Tourismus Marketing Service Büsum GmbH. Er kontrolliert und verkauft Gästekarten, er vermietet Strandkörbe – und am Abend wuchtet er Strandkörbe so um, dass sie wieder „richtig“ stehen. Doch: Bodo ist nicht von hier, er arbeitet und lebt dort, wo andere Urlaub machen.

© TMS Büsum GmbH

„Ich möchte den Gästen das kleine Bisschen mehr an Zufriedenheit mitgeben.“ Direkten Kontakt zu den Gästen haben; das macht er gern, darüber freut er sich. Er sitzt im Strandwärterhäuschen auf dem Deich, am Aufgang Nummer Elf, nahe dem Hochhaus, am Weg zur Familienlagune Perlebucht. Bei ihm gibt’s nicht nur Strandkörbe, sondern auch Informationen -  „Wie komme ich nach…?“, „Wie tief ist das Wasser…?“, „Wann sind Ebbe und Flut…?“ Solche Sachen, und das gern. Man ist gut aufgehoben bei Bodo, dem freundlichen Mann mit verbindlicher Art.

Und man hört an seinem Akzent: Er ist nicht von hier, er arbeitet und lebt dort, wo andere Urlaub machen. Der Zugezogene mit kurzem, grauem Vollbart und Pferdeschwanz, der personifizierte, und man fühlt es so: der persönliche, Service am Büsumer Strand. „Ich hatte seit meinem 18. Lebensjahr viel direkten Kundenkontakt“, berichtet er. Bis zum Jahr 2012 hat er, der gelernte Büromaschinenmechaniker, bei einem Berliner Energieversorger gearbeitet. Dann bekam er die Möglichkeit, mit einer finanziellen Abfindung aus diesem Berufsleben auszusteigen. Bodo nahm das Angebot an und kam aus Berlin nach Büsum an die Nordsee.

„Ich kannte die Nordsee von früheren Familienurlauben“, berichtet er. „Büsum habe ich eher zufällig kennengelernt, bis 2012 war ich nur mal als Tagesgast hier – und dann stand dann alles auf Go!.“ Nicht lange und Bodo hatte eine Pension mit 21 Betten im Nordseeheilbad Büsum, es gab einen wachsenden Bedarf an Hotel- und Pensionszimmern und an Leuten, die mit Urlaubsgästen arbeiten können und wollen – das passte in die Zeit, das passte in den Ort. Und es passte zu Bodo Schmidt. Und deshalb: „Ich wurde von allen Seiten gut angenommen – Verwaltung, Nachbarn, Gästen. Und auch der Immobilienmakler hat klasse gearbeitet – was passt zu Bodo Schmidt? Da war schon viel Bereitschaft zur Annahme und Aufnahme des Neuen aus Berlin“, erinnert er sich.

© TMS Büsum GmbH

Den Gedanken, an der Nordsee, zumindest am Meer, zu leben, hatte er schon länger und das Ende des Beschäftigungsverhältnisses in Berlin samt Abfindung war das Initial, den Schritt zu wagen. „Von der Ostseeküste bis nach Büsum habe ich alles abgefahren und mir angeschaut. Habe mir viele Orte angesehen und überlegt - kommt das für mich in Frage?“ Es ging  nicht allein um die harten Fakten einer neuen Existenz – was machen und wie das Leben finanzieren -, sondern auch um Land und Leute. „Denn ich wollte hier schließlich nicht nur arbeiten, ich möchte hier auch leben!“

Ist das der Traumjob hier oben auf dem Deich? „Ja! Ich bin endlich an der Nordsee; am Meer, in der Natur, und wo kannst Du sonst auf dem Meeresboden spazieren gehen.“ Traumjob auch deshalb, dort zu arbeiten und leben, wo andere Urlaub machen. Deshalb, den Sehnsuchtsort gesucht und mit Büsum gefunden zu haben. „Büsum ist einer der schönsten Flecken an der Küste. Auch wegen des Hinterlandes – das ist vielfältig und sieht immer anders aus. Das Umland gefällt mir, auch, um dort mit meinen Hunden spazieren zu gehen. Zum Beispiel Albersdorf, das liegt noch relativ küstennah, hat aber Wald. Und ich kann hier schöne Motorrad-Touren unternehmen. Doch, das ist ein ganz toller Job hier an der Nordsee und ich wüsste nicht, wie das zu toppen wäre.“

Man glaubt ihm das, denn es kam noch ein Bruch in der Biographie, Bodo Schmidt aber blieb: „Als ich von Berlin an die Nordsee zog, hatte ich von 2013 bis 2021 ja meine Gästepension in Büsum. Als die Immobilienpreise Anfang der 2020er anzogen, habe ich mich entschlossen, die Pension zu verkaufen - ich wollte eigentlich Privatier sein, mehr Zeit für mich haben und das Leben an der Nordsee so richtig genießen.“  Beschäftigung aber brauchte er doch, das merkte Bodo Schmidt recht rasch nach dem Verkauf der Pension. Und da war sie die wieder: die Möglichkeit, das Machbare. „Der damalige Tourismusdirektor von Büsum hatte eine Stelle für mich im Sinn. Komm. Mach mit! Du kannst bei uns arbeiten.“ So wurde der Mann, der nicht nur das Meer mag, sondern auch die Menschen, derjenige, der Urlaubsfreude an der Nordsee mit dem bisschen Service extra möglich macht.  

Land passte also, und die Leute auch: „Die Menschen in Dithmarschen gefallen mir, das passt. Dithmarschen, das passt sehr gut. Ich bin angekommen, und auch angenommen. Ich fühle mich sauwohl, die Lebensqualität ist klasse. Und es ist eine gute Zusammenarbeit, damals wie heute.“ Er spricht von der norddeutschen Mentalität; eben nicht viel quatschen, sondern mehr machen, gemeinsam anpacken. „Die Leute hier reden nicht nur, die machen das auch, hier wird keiner allein gelassen – ich damals nicht, als ich ankam, als ich in Büsum angekommen bin. Auch grundsätzlich nicht, wie zum Beispiel bei drohender Sturmflut, wenn dann alle gemeinsam und ganz selbstverständlich anpacken. Denn es geht nur zusammen und wenn man für einander einsteht – das finde ich noch immer sehr beeindruckend.“ Diesen Gedanken und die daraus folgenden Taten der Hilfestellung, das habe ihm beim Fuß fassen in der neuen Heimat sehr geholfen.

„Den Schritt herzukommen und ein neues Leben an der Nordsee zu beginnen, habe ich nie bereut – nur, dass ich es nicht schon früher getan habe!“ (Bodo Schmidt).

Was rät er Leuten, die mit dem Gedanken spielen, an der Nordsee neu zu starten? „Mein Rat wäre: Wenn man etwas unbedingt aus tiefsten Herzen möchte, dann sollte man es unbedingt machen. Dann klappt das auch. Sich vorher mit den Menschen und Ihren Bräuchen auseinandersetzen und für sich klären, ob das für einen selbst in Frage kommt.“ Zum Beispiel dies: Komme ich im Winter mit vielleicht  wochenlangem Nebel und dem Grau des Nordens klar? Vielleicht ist auch der Funke der Leidenschaft übergesprungen, Bodo Schmidt wollte es wirklich und war guten Willens, und er war mutig genug, etwas Neues zu wagen. Den Neustart an der Nordsee. 

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© Lynn Scotti

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