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Schutz und Erhalt der Biodiversität

Haben Sie sich schon mal gefragt, warum alljährlich so viele Menschen zu uns kommen, um ihren Urlaub hier zu verbringen? Richtig, wegen der Natur. Und genau genommen nicht einfach nur wegen der Natur, sondern wegen ihrer Vielfalt, Besonderheit und zum Teil sogar Einzigartigkeit. Die biologische Vielfalt  – kurz auch Biodiversität genannt – macht für viele den unwiderstehlichen Reiz aus, durch den sich unsere Inseln, Halligen, das Festland sowie das UNESCO Weltnaturerbe Wattenmeer auszeichnen. Ohne intakte Natur gäbe es bei uns keine Gäste und damit auch keinen Tourismus. Kaum eine andere Branche hängt daher so sehr von intakten natürlichen Ressourcen ab wie der Tourismussektor. Wenn wir die Natur nicht dauerhaft schützen, würden wir selbst den Ast absägen, auf dem wir sitzen.  

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Diversitas delectat! - Vielfalt erfreut!

Der Begriff „Biodiversität“ umfasst die Vielfalt an Ökosystemen, die Artenvielfalt und die genetische Vielfalt innerhalb von Arten. Biodiversität garantiert dem Menschen lebenswichtige Güter wie sauberes Wasser, nährstoffreiche Böden, Arzneimittel, Nahrung und Rohstoffe. Sie ist der Garant für Gesundheit und eine stabile Umwelt. Zudem hat Biodiversität eine ethische, kulturelle und ästhetische Bedeutung für den Menschen, wobei gerade der Tourismus immer stärker auf die kulturellen Leistungen und ästhetischen Werte der Natur baut.

Die stetig wachsende Nachfrage nach Nahrung, Energie und Wasser hat jedoch zu einem enormen und in der Regel unumkehrbaren Verlust an Biodiversität auf der Erde geführt. Die Trockenlegung von Feuchtgebieten, die Bewässerung von Trockenregionen, die Abholzung von Wäldern und die Überdüngung von Küstengewässern gehören zu den Hauptursachen für die Verluste an Biodiversität weltweit. Auch der Klimawandel spielt hierbei eine entscheidende Rolle, da Veränderungen in den Temperatur- und Niederschlagsverhältnissen sowie in der Häufigkeit von Extremereignissen einen direkten Einfluss auf die Lebensbedingungen von Arten haben, wodurch starke Verschiebungen in deren Verbreitungsgebieten und in der Artenzusammensetzung und Struktur ganzer Ökosysteme hervorgerufen werden. Umgekehrt fungieren speziell die artenreichen Tropenwälder als regionale Klimaregulatoren und sind in der Lage, große Mengen an CO2 zu speichern. Die Erhaltung der biologischen Vielfalt und ein konsequenter Klimaschutz sind somit nicht als Gegensätze zu verstehen, sondern bedingen sich gegenseitig.

Die verminderte Leistungsfähigkeit der Ökosysteme, das zunehmende Risiko unkontrollierbarer und unvorhersehbarer Veränderungen von Ökosystemen (Kipppunkte) und die weltweit wachsende Bevölkerungsarmut haben letztlich steigende gesellschaftliche und wirtschaftliche Kosten zur Konsequenz. Der langfristige Erhalt der Biodiversität, ihre nachhaltige Nutzung und die gerechte Verteilung der aus ihrer Nutzung resultierenden Vorteile gehören daher heutzutage – neben dem Klimawandel – zu den wesentlichen globalen Herausforderungen, die alle Länder und damit auch die Wirtschaft und der Tourismus gleichermaßen in die Pflicht nehmen.

Bedeutung der Biodiversität für den Tourismus

Betrachtet man das Angebotsspektrum des Tourismus, gehören die Zugänglichkeit und Erlebbarkeit von (möglichst intakter) Natur und Landschaft zu den wichtigsten Komponenten eines touristischen Produktes. Natur und Landschaft fungieren im Rahmen touristischer Produkte dabei als Kulissenräume (z.B. Sonnenbaden am Strand), Erlebnisräume (z.B. Vogelbeobachtung) und/oder Aktivitätsräume (z.B. Ausübung naturnaher Sportarten wie Wandern, Reiten, Kanufahren).

Kaum eine andere Branche ist daher so sehr auf die Vielfalt an Ökosystemen und Arten angewiesen wie die Tourismusbranche. Hinzu kommt, dass diese Vielfalt langfristig nur dann gesichert ist, wenn Maßnahmen zu deren Erhalt ergriffen werden und eine nachhaltige Nutzung ihrer Bestandteile sichergestellt ist. Hier kommt der Tourismusbranche sowohl die Rolle des potentiellen Verursachers als auch die Rolle des potentiell Betroffenen möglicher Beeinträchtigungen der biologischen Vielfalt zu. So gesehen ist dem Thema „Biodiversität“ gleich in mehrfacher Hinsicht eine herausragende Bedeutung für die Tourismusbranche beizumessen.

Einflussfaktoren des Tourismus auf die Biodiversität

Nahezu jede Tourismusform beeinträchtigt in irgendeiner Weise die Ökosysteme und führt zu Schäden von Natur und Landschaft. Zu den wesentlichen Einflussfaktoren zählen unfraglich der Bau bzw. die Nutzung der Tourismus- und Verkehrsinfrastruktur sowie die Ausübung von Freizeitaktivitäten in den touristischen Zielgebieten (speziell in naturnahen Gebieten). Was die Freizeitaktivitäten angeht, hängen Art und Umfang der ökologischen Belastungserscheinungen von der jeweiligen Freizeitaktivität selbst, dem Ort und dem Ausmaß ihrer Ausübung sowie von der Empfindlichkeit bzw. Belastungsfähigkeit des jeweiligen Landschaftsraumes ab.

Der Tourismus ist nicht nur Auslöser von Schäden an der Natur, durch die auch andere Bereiche (z.B. Natur- und Landschaftsschutz, Forstwirtschaft) in Mitleidenschaft gezogen werden, sondern ebenso Betroffener (z.B. Lärm, Luft- oder Wasserverunreinigung durch die Landwirtschaft). In manchen Fällen ist die Freizeit- und Erholungsnutzung sogar Auslöser und Betroffener zugleich (z.B. Artendezimierung).

Demnach sind Schäden von Natur und Landschaft auch Ausdruck von Nutzungskonflikten auf Grund konkurrierender Raumansprüche, die speziell in sensiblen Naturräumen und Schutzgebieten wie Nationalparken, Biosphärenreservaten oder Naturparken eine adäquate Besucherlenkung erfordern.

Typische Beeinträchtigungen der Pflanzenwelt durch Tourismus

Artenrückgang bzw. Vernichtung einzelner Arten durch

  • Inanspruchnahme des Standortes für Tourismuseinrichtungen (Bebauung, Erschließung),
  • Veränderung des Standortes (z.B. durch Nährstoffanreicherung auf Grund von Abfällen, Fäkalien, Wildfütterung, die zur Verdrängung empfindlicher Arten führt),
  • selektive Entnahme von einzelnen Pflanzenarten oder Artengruppen (z.B. Pilze),
  • direkte Vernichtung von Pflanzen.

Veränderungen der Pflanzengesellschaften durch

  • Trittbelastung (z.B. Trampel- und Reitpfade),
  • Nährstoffanreicherung (es kommt zur Verdrängung von Spezialisten und Förderung von „Allerweltsarten“),
  • Nutzung von Flachwasserzonen (z.B. Beschädigung der Vegetation durch Kanusport, Surfen, Segeln, Tauchen),
  • Aufstau von Fließgewässern (z.B. Anlage von Kanu- und Raftingstrecken),
  • Degradierung von Pflanzengesellschaften (z.B. durch Bodenverdichtung).

Vernichtung von Vegetationsdecken durch

  • Inanspruchnahme von Vegetationsflächen (z.B. durch Bebauung),
  • extreme Trittbelastung/ mechanische Belastung (es kommt z.B. zur Zerstörung der Ufervegetation),
  • Wellenschlag (es kommt z.B. zur Zerstörung von Schwimmblatt- und Röhrichtzonen),
  • Nutzung von Gewässerufern (es kommt z.B. zur Zerstörung der Ufer- und Unterwasservegetation).

Typische Beeinträchtigungen der Tierwelt durch Tourismus

Die Tierwelt reagiert je nach Art und Ausmaß des tourismusbedingten Eingriffs mit

  • Aussterben von Populationen,
  • Bestandseinbußen (Arten- und Populationsrückgang) und
  • Verhaltensänderung (Anpassung von Individuen und Populationen).

Starke Belastungen von Flora und Fauna bzw. Natur und Landschaft ergeben sich besonders dann, wenn es zu einer starken Konzentration von Touristen auf einem flächenmäßig eng begrenzten Raum kommt, wie es speziell in Küstengebieten und Gebirgsregionen häufig der Fall ist.

Die Tatsache, dass Natur und Landschaft in der Regel als freie Güter zur Verfügung stehen, d.h. dem Tourismussektor weder hinsichtlich ihres Erhalts und Schutzes noch hinsichtlich ihrer Nutzung unmittelbare Kosten entstehen, ist mit ein entscheidender Grund dafür, warum Arten-, Natur- und Landschaftsschutz noch immer nicht den Stellenwert für die Branche einnehmen, die sie haben sollten. Was nichts kostet, erfährt eben häufig nicht die Wertschätzung, die angebracht wäre.

Sinneswandel des Tourismus im Umgang mit Biodiversität

Bei allen Herausforderungen zeigt sich seit einigen Jahren, dass der Tourismussektor sich zunehmend zu seiner Verantwortung bekennt, indem er statt einer auf kurzfristige Vermarktung und rein auf den betrieblichen Mehrwert ausgerichteten Unternehmensphilosophie verstärkt die dauerhafte Inwertsetzung natürlicher Ressourcen und eine nachhaltige Wertschöpfung in den Vordergrund stellt.

Die Gründe für diesen allmählichen Sinneswandel liegen

  • in der gestiegenen Bereitschaft, mehr Verantwortung für das eigene Handeln zu übernehmen, da die selbst verursachten Schäden der Tourismusbranche vielerorts nicht mehr wegzudiskutieren sind,
  • in den Chancen, die sich für die Verbesserung der Produktqualität und die Reputation der Unternehmen in der Öffentlichkeit ergeben, die mehr und mehr wahrgenommen werden,
  • in der zunehmenden Sensibilisierung der Nachfrageseite für ökologische Belange, der Rechnung getragen werden muss,
  • in dem steigenden Wettbewerbsdruck, bei dem man sich Imageverluste (z.B. durch negative Presseberichte über ökologische Schäden) immer weniger leisten kann sowie
  • in einer zunehmenden Verknappung und/oder Verteuerung essentieller Ressourcen (Strom, Öl, Benzin etc.), die zu einer immer größeren Kostenbelastung für die Unternehmen führen.

Wie können touristische Unternehmen zum Schutz und Erhalt der Biodiversität beitragen?

Nachfolgend geben wir Ihnen ein paar praktische Tipps, was auch Sie in Ihrem Unternehmen zum Schutz und Erhalt der Biodiversität tun können:

1. Handlungsfeld Einkauf und Beschaffung

  • Nutzung von recyceltem bzw. zertifiziertem Papier (z.B. für Druckerpapier, Speisekarten)
  • Kein Verkauf von Souvenirs aus gefährdeten Tier- und Pflanzenarten
  • Bevorzugung von ökologisch produzierten bzw. zertifizierten Produkten aus der Region
  • Beim Einkauf ausländischer Produkte auf Nachhaltigkeitssiegel achten
  • Verwendung von Textilien aus Biobaumwolle (z.B. Handtücher)
  • Verwendung von Produkten aus artgerechter Tierhaltung
  • Verwendung von zertifiziertem Meeresfisch sowie von zertifiziertem Fisch aus Aquakulturen oder Fisch aus der Region, der nachweislich umweltverträglich gefischt oder gezüchtet wurde
  • Verzicht auf gentechnisch veränderte Produkte
  • Verwendung von biologisch abbaubaren Reinigungsmitteln
  • Vermeidung oder Verminderung von Lebensmittelverschwendung und -abfällen

2. Handlungsfeld Kommunikation

  • Ausführliche Information der Gäste über die Natur und biologische Vielfalt in der Region inkl. Tipps zu deren Schutz
  • Möglichkeiten für Gäste, sich selbst an Projekten zum Schutz der Natur und Biodiversität zu beteiligen oder für diese zu spenden
  • Berücksichtigung des Themas Biodiversität in Gästebefragungen
  • Naturschutz und biologische Vielfalt sind Bestandteil der Schulungen für die Mitarbeitenden

3. Handlungsfeld Produkt

  • Angebot von naturverträglichen Exkursionen und Leistungsbausteinen
  • Verzicht auf naturbelastende Touren in ökologisch besonders sensible (Schutz-)Gebiete
  • Angemessene Gruppengröße, um Störungen der Tierwelt und Naturschäden zu vermeiden

4. Handlungsfeld Gebäude und Außenanlagen

  • Verzicht auf die Verwenung artenschutzbedenklicher Materialien und Produkte bei Baumaßnahmen oder Renovierungen (z.B. nicht zertifizierte Tropenhölzer)
  • Fassaden- und Dachbegrünung des eigenen Gebäudes
  • Verzicht auf Pflanzenschutzmittel und synthetische Dünger
  • Schaffung neuer Lebensräume (z.B. Wildblumenwiesen, ungemähte Randbereiche)
  • Verwendung heimischer, standortgerechter Pflanzen

5. Handlungsfeld Management und Engagement

  • Das Unternehmen hat Ziele im Rahmen seines Nachhaltigkeitsmanagements zum Erhalt und zur Förderung biologischer Vielfalt festgelegt
  • Ein Mitarbeitender ist für das Thema Naturschutz und Biodiversität verantwortlich
  • Relevante gesetzliche Regelungen zum Natur- und Artenschutz sind bekannt und werden eingehalten
  • Zertifikate & Wettbewerbe für nachhaltigen Tourismus sind bekannt
  • Das Unternehmen engagiert sich für den Schutz gefährdeter Tier- oder Pflanzenarten in der Region (z.B. durch Beteiligung oder Finanzierung von Projekten)
  • Das Unternehmen motiviert seine Mitarbeitenden sowie andere Betriebe, sich an Naturschutzpojekten zu beteiligen
Ein Kind sammelt am Strand eine Mülltüte ein
© Common Wadden Sea Secretatriat

Aus der Praxis für die Praxis

Best Practices für den Schutz und Erhalt der Biodiversität

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