Der Hafen von Nordstrand bei Ebbe, © Tanja Weinekötter© Tanja Weinekötter

Für uns Einheimische ist es das Normalste der Welt, wir lieben sie und leben mit den Gezeiten. Der stetige Wechsel zwischen Ebbe und Flut, die Unberechenbarkeit des Meeres bei Sturmfluten, aber auch das faszinierende Knistern des Wattbodens bei Ebbe. Es gehört zum Alltag dazu und findet manchmal schon unbemerkt statt. Es gibt ja das Sprichwort „man wird betriebsblind“. Manchmal habe ich das Gefühl, mir geht es so, wenn ich am Husumer Hafenbecken beim Einkaufen nur mal schnell vorbei husche und nicht mal sagen könnte, ob nun Wasser drin war oder nicht.

Faszination Nordsee

Daher bin ich immer sehr froh, wenn mich Gäste zu den Gezeiten fragen, wenn sie fasziniert am Meer oder Hafenbecken stehen und ungläubig zuschauen, wie schnell das Wasser kommt bzw. wieder geht. Diese Faszination steckt an. Und mit jeder Erklärung und jedem Teil der Geschichte, die ich ihnen erzähle, ist sie auch bei mir wieder da. Es ist eine Faszination, die sowohl von den schönen Erlebnissen und Erinnerungen genährt wird, aber auch von den Momenten der Angst und Sorge.

Der Husumer Hafen bei Ebbe, © Tanja WeinekötterGalerie öffnen© Tanja Weinekötter

Kulturschock

Ich gebe zu, manchmal muss ich schon ein wenig schmunzeln, wenn ich auf den südlich gelegenen Messen und Veranstaltungen hin und wieder gefragt werde „In welchen Monaten ist denn das Wasser da?“ oder „Ich möchte gerne an dem Tag um 15 Uhr eine Wattwanderung machen, warum geht das denn nicht? Und ich antworte: Nun ja, da ist Flut.“ Die versteckte Kamera habe ich schon so manches Mal vermutet, sie aber nicht entdecken können. Aber ganz ehrlich, man kann nicht alles wissen, wir sind ja dafür vor Ort, um genau unter anderem auch das zu erklären und das machen wir gerne. Es gibt keine dummen Fragen und ich bin mir sicher, wenn ich als nordfriesisches Greenhorn in die Berge gehe, gibt es umgekehrt sicher auch den ein oder anderen Schmunzler zu meinen Fragen.

Das Phänomen Gezeiten

Daher möchte ich in wenigen Worten und leicht verständlich das Phänomen „Gezeiten“ beschreiben. Die Gezeiten, bei uns auch Tide genannt, entstehen durch die Kräfte zwischen Sonne und Mond in Verbindung mit der Erdrotation. Bei Flut ist der Wasserstand am höchsten, bei Ebbe analog am niedrigsten. In unseren Gezeitenkalendern ist jeweils der Zeitpunkt mit dem höchsten Wasserstand „Hochwasser“ und der mit dem niedrigsten Wasserstand „Niedrigwasser“ aufgeführt. Ca. alle 6 Stunden und 15 Minuten wechselt das auflaufende und ablaufende Wasser. Der Höhenunterschied ist in den verschiedenen Ländern sehr unterschiedlich. Bei uns an der Westküste im Durchschnitt 2,5 – 3 Meter. Bei Vollmond und bei Neumond kann dies mehr sein und es kommt zu sogenannten Springtiden. Insbesondere jetzt im Winter, wenn der Westwind das Meerwasser noch weiter an Land treibt, kommt es dann auch mal dazu, dass der Strand überschwemmt wird und es auf den Halligen „Land unter“ heißt. Im Normalfall ein faszinierendes Schauspiel, stehen doch die Häuser auf den Halligen auf Warften (Erdhügeln) und ist unser Hinterland durch Deiche geschützt. Bei Orkanen, wie zum Beispiel „Christian“ und „Xaver“ im Jahr 2013, ist jedoch auch uns die Gefahr durchaus bewusst, haben unsere Vorfahren doch bereits schon so einige Sturmfluten mitgemacht. Glücklicherweise haben wir heute einen sehr guten Küstenschutz mit festen Deichen, doch eine Garantie gibt es nicht. Wen das Thema genauer interessiert, dem sei das Erlebniszentrum Naturgewalten auf Sylt und das Multimar Wattforum in Tönning empfohlen.

Die Hafeneinfahrt von Husum am Dockkog bei Ebbe, © Tanja WeinekötterGalerie öffnen© Tanja Weinekötter

Die Ruhe nach dem Sturm

Es ist oft kaum zu glauben, dass nur kurze Zeit nach einem Sturm, das Meer ganz friedlich und ruhig wieder da ist, als könnte es kein Wässerchen trüben. Das knistern des Wattbodens ist zur hören – Sie sollten unbedingt bei Ebbe mal ganz genau horchen – und auch die Muscheln, Wattschnecken und Wattwürmer haben zumeist alles gut überstanden.

Ich kann jedem nur eine geführte Wattwanderung ans Herz legen, ohne jetzt Werbung machen zu wollen. Doch die vielen, kleinen Lebewesen, die auf und im Wattboden leben, habe selbst ich jahrelang nicht alle gesehen, bis der Wattführer von einer der Schutzstationen sie mir zeigte. Doch bitte nicht vergessen, immer einen Gezeitenkalender dabei haben und darauf achten, wo man wandert und wo die Prile liegen, dann steht dem Erlebnis Gezeiten nichts mehr im Wege.

Buhnen am Strand von Sylt, © Constanze HöfinghoffGalerie öffnen© Constanze Höfinghoff
Sonnenuntergangsstimmung am Strand von Utersum auf Föhr, © Föhr Tourismus GmbH

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Tanja Weinekötter, © Fotodesign Flensburg/nordseetourismus.de Tanja Weinekötter

Ich bin eine begeisterte Nordseeliebhaberin und besonders gern auf Eiderstedt und in St. Peter-Ording unterwegs.

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